Triesen

JAHR
2025
STANDORT
Triesen
INSTITUTION
Verein ELF

Infrastruktur ist nicht das Gerüst des Lebens. Sie ist sein Gefäss.

workshop results

Atelier Gapont führt den Verein ELF als Labor für transformativen Urbanismus. Wir verstehen Urbanismus als das Kultivieren öffentlicher Räume, in denen die Zukunft eines Ortes gemeinsam mit den Menschen vor Ort entworfen wird. Jedes Jahr widmet sich einer anderen Geografie und bildet eine Iteration des Experiments.

Triesen war die sechste. Das Dorf erstreckt sich entlang der Landstrasse zwischen Vaduz und Balzers, mit seinen älteren Quartieren am Hang darüber und einem Industriegürtel auf dem Talboden.

Das Jahresthema war Lebensadern. Wir betrachteten die Kanäle, durch die sich Leben in einem Dorf bewegt: Wege, Gewässer, Strassen, Hecken, Ränder. Nicht die Gebäude, sondern die Räume zwischen ihnen. Wo Lebensadern verlaufen, folgt das Leben. Wo sie unterbrochen sind, dünnt es aus.

Pionierquartiere eröffnete das Jahr in Liechtensteins Industriegürteln. Einst am Rand des Dorfes, waren sie unbemerkt zu Zielorten für Restaurants, Freizeit und Mischnutzungen geworden: eine andere Form von Zentrum, vielleicht der Keim einer Urbanität, die die Dörfer selbst nie hervorgebracht haben.

Der Tresner Quartierskongress im Kulturzentrum Gasometer brachte Vertreter:innen der Triesner Quartiere zusammen, um zu fragen, was ein gutes Quartier ausmacht, wo gute schon bestehen und wie weitere entstehen könnten.

Strassen als Lebensräume war ein Gastauftritt im Kunstmuseum Liechtenstein. Mit dem Soziologen Niklaus Reichle diskutierten wir die Strasse als sozialen Raum statt als reine Mobilitätsinfrastruktur.

Tuas&Co führte uns hinauf in die Triesner Heuberge: maximale Grundflächen von 25 m², nur gemeinschaftliches Wasser und gemeinschaftliche Toiletten, keine Autos, keine Zäune. Der Ort selbst trug das Argument. Die strengste Bauordnung des Landes hat eine seiner schönsten Siedlungen hervorgebracht. Brauchen wir mehr Tuas im Tal: sollte die Ausnahme zur Regel werden?

Schwammstadt führte unser nomadisches Labor zurück nach Schaan, der ersten Fokusgemeinde. Ein Spaziergang und ein Workshop mit dem Schwammstadt-Experten Peter Marcus Bach zeichneten nach, wo das Dorf seine Oberflächen versiegelt hatte und wo es Regen wieder aufnehmen könnte.

Sport Städte in der Blumenau versammelte das Olympische Komitee, die Stabstelle für Sport, Naturschutzorganisationen und einen ortsansässigen Landwirt, um zu fragen, ob Liechtensteins Sportinfrastruktur seiner Gegenwart angemessen dimensioniert ist und wie viel Landschaft sie verbrauchen darf. Oder umgekehrt.

Learning from Landstrasse in der Musikschule Triesen entlieh seinen Titel der Las-Vegas-Studie von Venturi und Scott Brown. Wir lasen die Hauptverkehrsachse des Landes als Fallstudie statt als Problem. Eine Fotostrecke von Schaanwald bis Balzers zeigte die Strasse als eine Kette von Fragmenten, einige belebt, andere unterbrochen. Ihre Zukunft, schlossen wir, wird abschnittsweise sein, nicht einheitlich.

Triesen verdoppeln in der Primarschule setzte ein bewährtes Format fort. Zwei Gruppen von Schüler:innen entwickelten Triesen am Modell weiter: ein Hochhaus beim Sonnenkreisel, ein Obdachlosenheim, ein KFC, während andere darauf bestanden, dass die Wiesen offen bleiben. In Kiew aufgewachsene Kinder hatten keine Berührungsangst mit Dichte. Manche einheimische Kinder schon. Ein klarer Hinweis darauf, dass räumliche Vorstellungskraft sozialisiert wird, bevor sie gelehrt werden kann.

Lebenstraumplanung, ein Wortspiel zwischen Lebenstraum und Lebensraum sowie dem Gemeindemotto Triesens, beschloss das Jahr mit neun von elf Gemeindedelegationen und der Frage, wie Planung Zukünfte produziert. Was ELF einst nur am Rand mithören konnte, brachte das Projekt nun selbst zusammen.

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